Mehr Akzeptanz für Medienvertreter
DKBC-Präsidiumsbeschluss verbessert deren Arbeitsbedingungen„Wir müssen uns nach den Medien richten.“ Dieser Satz stammt von WNBA-Präsident Ludwig Kocsis, ausgesprochen während der Mannschafts-Weltmeisterschaft im Mai 2009 in Dettenheim. Und dem trägt nun auch das DKBC-Präsidium mit einer Direktive an alle Schiedsrichter im DKBC-Bereich Rechnung.
Auf der Präsidiumssitzung Anfang Dezember in München wurde einstimmig beschlossen, dass ab sofort „Presseleute, Fotografen und Kameraleute grundsätzlich bei Spielen zugelassen sind“. Das bedeutet, dass den Medienvertretern künftig vor, während und nach den Spielen – egal ob im Ligenspielbetrieb, im Pokal oder bei Meisterschaften – der Zugang zu den Bahnen ermöglicht wird. Foto- oder Filmaufnahmen sind also nicht mehr auf die Einspielzeit beschränkt. Die eingeteilten Schiedsrichter sind nicht berechtigt, Medienvertretern den Zutritt zu verweigern. Gleichwohl sollte auf die Konzentration der Sportler Rücksicht genommen und die örtlichen Platzverhältnisse berücksichtigt werden."
Michael RappeMehr Miteinander zwischen Sportlern, Schiedsrichtern und Medienvertretern
Ein Kommentar von Michael Rappe"Es war bei den deutschen Einzelmeisterschaften im Juni 2009 in München. Der DKBC hatte ein Kamerateam beauftragt, einen Film über diese Meisterschaften zu drehen. Zudem war das Bayerische Fernsehen mit ARD-Moderator Wolfgang Nadvornik anwesend. Die ersten Junioren waren gerade auf der Bahn. Plötzlich Rufe aus dem Publikum. „Was machen die Kameraleute da auf der Bahn? Und das während des Spielens, das ist ja unmöglich!“
Ich glaubte meine Ohren nicht zu trauen. Wird nicht in Keglerkreisen immer wieder die fehlende Medienpräsenz bemängelt? Im Vorfeld hatte ich mich mit dem Oberschiedsrichter abgesprochen. Die Medienvertreter sollten sich frei bewegen dürfen, würden aber auf Handzeichen die Bahn verlassen, wenn sich ein Spieler/eine Spielerin in der Konzentration gestört fühlen sollte.
Ich denke, dass gegenseitige Rücksichtnahme das Zauberwort ist. Die Kegler wollen ihren Sport ausüben, möchten aber auch, dass er entsprechend in Presse, Fernsehen und Internet präsentiert wird. Gute Bilder und Filmaufnahmen macht man aber nicht beim Einspielen. Es gilt Emotionen einzufangen, und das geht nur während des Spieles. Die Zeiten sind vorbei, dass sich Fotografen damit begnügen, Kegler nur von hinten zu fotografieren. Wer will sich so etwas angucken? Genauso unrealistisch ist es, dass ein Fotograf einen Bahnwechsel abwartet, um seine Bilder machen zu können. Sonst bleibt er ganz weg. Die haben nämlich noch andere Aufträge und sind immer in Eile.
Bilder müssen jederzeit möglich sein, speziell auf den Anlagen, wo nicht alle Bahnen belegt sind. Wo ist das Problem, wenn von Bahn 1 bis 4 gespielt wird, und jemand von Bahn 5 aus Bilder macht? Die Sportler, vor allem im Spitzenbereich (und der dürfte in erster Linie für Medienvertreter interessant sein), stören sich in 99 Prozent der Fälle überhaupt nicht daran. Das haben die vergangenen zwei Jahre mit Filmprojekten bei deutschen Meisterschaften und Bundesligaspielen sowie bei der Weltmeisterschaft gezeigt. „Wir konzentrieren uns aufs Spiel und haben unseren Tunnelblick“, sagte mal ein Nationalspieler.
Solange Medienvertreter nicht pausenlos hin und her laufen, sollte niemand gestört sein. Und wenn das in einer entscheidenden Spielphase doch einmal der Fall sein sollte, kann jeder Akteur dies per Handzeichen signalisieren. Welcher Fotograf oder Kameramann würde dann darauf keine Rücksicht nehmen? Eine Umfrage bei der DM 2008 in Viernheim ergab, dass sich von 48 Finalteilnehmern/-teilnehmerinnen gerade mal eine gestört fühlte.
Am Anfang wird dies vielleicht noch ungewohnt sein, irgendwann ist es Normalität. Also, liebe Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, helft bitte mit, unseren Kegelsport angemessen in den Medien präsentieren zu können."
Fundstelle: Classic Journal Nr. 61 - Januar 2010*****
KegelReport meint:
Dieser Beschluss aus dem Bereich des Deutschen Keglerbundes Classic (DKBC) könnte richtungsweisend auch für die anderen Disziplinverbände im Bereich des Deutschen Kegler- und Bowlingbundes (DKB) sein.
Warum auch nicht?
Leistungssport und Medienberichterstattung gehören einfach zusammen. Und darum sollten wir Sportkegler uns nicht nur über herausragende Ergebnisse, sondern auch über ein entsprechendes Echo in Presse, Funk, Fernsehen und Internet freuen. Gegenseitige Rücksichtnahme nicht ausgeschlossen.
Guido Schümann - KegelReport